Recycling- Big in Japan- Forever Young- New Horizons – The parallel girlz- Crazy Show
Die etwas andere Alphaville Biographie
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Zu Beginn sei gesagt, dass die folgende Biographie nicht von Alphaville selbst stammt oder autorisiert ist. Viel mehr entspringt sie aus meinem ureigenen Selbstverständnis für Alphaville, welches im Laufe meines Fandaseins natürlich mit ihnen mitgewachsen ist. Im Laufe dieser vielen Jahre (19 dürften es inzwischen sein) habe ich viel Material gesammelt, Interviews gehört... auch die Musiker selber gesprochen... das alles gemixt mit meinen eigenen Lebenserfahrungen ergab die folgende – zugegeben eine etwas andere- Biographie über eine Band namens Alphaville.
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Wir befinden uns Ende der 70er Jahre. Ein Bursche, etwas älter als 25, vertreibt sich die Zeit mit ein paar Freunden. So richtig weiß er noch nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Er hat verschiedene Studien begonnen und wieder abgebrochen, sich in verschiedenen Jobs hier und da was zum Leben verdient. Aber das richtige war noch nicht dabei. Der Frust, welcher in dem Alter wohl auch ‚normal’ ist, wird mit Drogen bekämpft... bzw. Drogen waren zu der Zeit vielleicht auch chic. Das kann ich nicht sagen, denn zu der Zeit war ich selber gerade mal dem Kindergarten entsprungen. Träume hatte er und Freunde, die diese Träume teilten. Er wäre gerne ein Künstler (Maler) und es wär so klasse, wenn ihm die Mädels zu Füßen liegen würden. All die schönen Mädchen...
Und so vergingen die Tage. Sie gingen dem nach, was Spaß machte. Dazu gehörte auch Musik hören. Zu der Zeit gab es gerade den großen Entwicklungsschub in der Computertechnologie und sie hielten auch Einzug in die Musikbranche... in England gab’s Bands, die allein mit Computern Musik machten, ohne Noten zu kennen. Es wär doch lustig, das mal auszuprobieren. Nur waren diese Synthesizer schweineteuer. Irgendwie trieben sie das Geld auf... verkauften dafür das liebste, was sie hatten. Es war ihnen also schon ernst... bzw. ihre Träume waren sehr stark. 
Es war nicht einfach, aus diesen Maschinen, was brauchbares zu entlocken. Doch irgendwann klappte es. Sie hatten nämlich auch Talent. Was nun anfangen damit? Es entstand die Idee, eine richtige Kreativ- Fabrik aufzumachen. Dazu brauchte man Leute und Marian, so hieß der Bursche, glaubte so stark daran. Er fragte all seine Freunde, ob sie mitmachen wollten. Dabei merkte er, wer wirklich seine Freunde waren, wer wirklich seine Träume teilte. Als die Leute gefunden waren, begann die Suche nach einem zu Hause für das gegründete Nelson- Projekt. Denn Teil der Idee war es, dass alle unter einem Dach leben sollten bzw. sie kamen ja alle aus WG’s und außerdem war das der billigste Weg, denn Nelson war teuer. Marians Freundin Ariane hatte eine Oma, die ein Haus hatte. Das könnte das neue Domizil werden...doch das war in Münster. Aus Berlin weggehen? Berlin. Berlin war doch die Stadt. Egal, wenn es Nelson nützt, gehen wir nach Münster. Sie hatten nicht nur Talent, sie hatten auch jede Menge Glück. Vielleicht war es auch der Überraschungseffekt, denn ihre Musik war neu, noch nicht da gewesen. Irgendein Produzent witterte das große Geld... von da an ging alles sehr schnell. Plattenvertrag. Promotermine. Keine Zeit mehr, über alles nachzudenken. Und so entstand das erste Album „Forever Young“. 10 Songs mit Überraschungseffekt. Sie enterten die Charts, waren oben auf. Irgendwie war alles ein Produkt des Zufalls und des Glücks. Dieses ganze Geschäft über-rollte sie auch irgendwie. Sie hatten doch keine Ahnung davon, wie das Plattengeschäft lief. Sie mussten so einige Dinge tun, die albern und blöd waren... ich denke da an die Strickpullover.
Sie brauchten mal eine Pause, um das alles zu verdauen. Doch die Plattenfirma wollte mehr. Sie sollten mehr Songs= Platten bringen, solange die Erfolgssträhne noch anhielt. Das Musik- Business ist schnelllebig. Man muss abfassen, was man kriegen kann.
Sie waren immer noch voller Ideen und Träume. Und sie waren auch immer noch Amateure, hatten keine Ahnung, wie sie all ihre Ideen so richtig umsetzen könnten. Marian saugte alle möglichen Dinge wie Bücher, andere Platten, Filme in sich auf, um daraus neue Ideen zu basteln... es entstand die Idee zu „Afternoons in Utopia“. Eine etwas abgefahrene Konzeptidee. Wie sich später herausstellte, zu abgefahren, um sie dem normalen Publikum nahe zu bringen. Die Musik wurde unheimlich bombastisch. Die Plattenfirma zahlte beinahe alles, nur damit sie damit wieder verdienen konnten. Aufgenommen wurde in den Staaten und in einem Interview sagte Bernhard später, dass sie sich nach diesem Album, nur noch wünschten, mal wieder eine normale Produktion zu machen, weniger bombastisch, einfacher und übersichtlicher. Ursprünglich gab es auch die Idee diesen abgefahrenen Stoff per Multimedia Show bildlich umzusetzen. Dieser Gedanke war ja noch abgefahrener. Sie waren ihrer Zeit sehr weit voraus. Das war ja soooo teuer und wie sollte man das machen? Die Idee wurde verschoben. Vielleicht aus Ratlosigkeit, wie man es bewerkstelligen sollte. Vielleicht wollte die WEA nicht auch noch dafür investieren. Vielleicht war aber gerade das der größte Fehler. Vielleicht hätte diese bildliche Umsetzung beim Publikum den Zugang geschaffen und damit auch den Erfolg gebracht. Damit hätten Alphaville auch irgendwie begonnen, raus auf die Bühne zu gehen. Das Fehlen von Live- Auftritten hat sich im Nachhinein auch als Fehler erwiesen.
Jedenfalls erschien das Album, nach 3 Jahren Pause. Der Stoff war für die meisten unverständlich, der Sound zu bombastisch und nicht gerade kommerziell, Konzerte gab’s nicht. Der Erfolg war nicht mehr der von 1984. Die WEA verlor vermutlich auch an Interesse. Die Profitquelle war versiegt und damit für Alphaville sicherlich auch irgendwie die Finanzierungsquelle.
Was nun also tun? Die Produktion sollte wieder einfacher werden. Sie hatten gemerkt, sie müssen besser lernen, ihre Dinge auf den Punkt zu bringen. Aber das kostet Zeit im Studio und im Studio sein, war bekanntlich auch sehr teuer. Sie hatten etwas Geld verdient und so entstand die Idee, lass uns doch ein eigenes Studio machen. Da können wir sitzen und basteln, soviel und solange wir wollen. Dann werden wir besser denn je. Außerdem könnten wir andere Bands, denen sonst keiner eine Chance gibt, die aber richtig gut sind, bei uns aufnehmen lassen. Damit kriegen wir wieder ein bisschen Kohle rein und vielleicht schafft’s einer von denen. Inzwischen waren sie auch wieder zurück im geliebten Berlin, lebten jeder in einer eigenen Wohnung. Das konnten sie sich ja inzwischen finanziell leisten und außerdem ist es besser, wenn man nicht ständig so dicht aufeinander sitzt. Jeder von uns weiß, dass da immer Konflikte entstehen und auch Streitereien. 
Und so verbrachten sie Tage und Nächte im Lunapark- Studio. Ein glücklicher Umstand führte sie mit Klaus Schulze zusam-men, der ihnen beibrachte, wie sie ihre Musik auf den Punkt bringen. Aus den Amateuren wurden Profi- Musiker. Inzwischen kannten sie auch andere Musiker. Zu manchen entstanden freundschaftliche Bande. Sie halfen ihnen dabei, ihre Musik zu machen. Es entstand „The Breathtaking Blue“ (1989). Marian sagte später mal, dass dieses Album das wohl eigenartigste wäre, welches sie je gemacht hatten. Es war alles andere als kommerziell. Die Plattenfirma fand es sicherlich gar nicht toll. Aber sie hatten ja einen länger befristeten Jahresvertrag. Also, wollte die WEA nur noch kostengünstig die Jahre rumbringen. Aus dem Grund war die WEA bestimmt auch nicht böse darüber, dass Alphaville immer längere Pausen zwischen ihren Veröffentlichungen einlegten bzw. trug die WEA mit dazu bei?
Dazu kam auch noch eine sehr AV- typische Idee... sie wollten keine einfachen Videos machen. Nein, es sollte Kurzfilme sein, mit denen sie dann in die Kinos kämen. Grundsätzlich ist die Idee ziemlich gut. Das ist Kunst. Nur leider geht es hier gar nicht um Kunst. Es geht um Geld, jedenfalls aus Sicht der Plattenfirmen. Und Kurzfilme sind alles andere als kommerziell gut zu verkaufen. Man fand schließlich aber doch einen Konsens. Zu dieser Zeit finanzierte die WEA noch Videos für Alphaville und man vereinbarte, genau diese Summe in das Kurzfilmprojekt „Songlines“ zu stecken. Alphaville gewannen 9 namhafte Regisseure für ihre Idee und es entstanden 9 wirklich schöne Kurzfilme. Es gab auch eine kleine Kinotour und in den Medien waren AV auch damit vertreten. Jedoch nicht übermäßig viel, denn Kurzfilme versprechen nun mal nicht viel Erfolg oder ein großes Interesse beim Publikum zu erwecken. Es gibt sogar eingefleischte Alphaville- Fans, die damit nicht viel anfangen kön-nen. (Jedoch wollen wir nicht vergessen, dass einer dieser Kurzfilme sogar einen Oscar gewann.)
Man könnte daraus auch schließen, dass große Kunst nicht gefragt ist bzw. dass es richtig große Künstler nicht leicht haben, mit ihren Werke die ihnen gebührende Anerkennung zu finden. Und das ist ein bereits lang bekanntes Phänomen. Gelangte doch Mozart auch erst nach seinen Lebzeiten zu Ruhm. Spätestens jetzt hatten Alphaville bei Plattenfirmen und Medien, die Ruf weg, ziemliche Querdenker zu sein.
WEA suchte nach einem Weg, mit Alphaville doch noch mal etwas Profit zu machen. Ein Best- Of musste dafür herhalten. „First Harvest“ erschien. Eine Best- Of ist aber durchaus eine Prima- Sache, denn genau darüber erreichen Alphaville die Mehrzahl Zuhörer. 
Zeitgleich erschien Marians Soloalbum „So long Celeste“ und das sogar auch bei der WEA. Das ist etwas, was sich für mich noch nicht ganz zusammenreimt. Was versprach sich die WEA davon oder kamen sie aus der Veröffentlichung nicht raus? Falls sich die WEA etwas davon versprochen hatte, kehrten sie wohl schnell auf den Boden der Realität zurück, denn bereits die zweite Single „One Stepp behind you“ wurde aus den Läden zurückgezogen und von der dritten Single „Today“ gab es nur Promos. Wieso eigentlich ein Soloprojekt? Ganz sicher bin ich mir hier auch nicht. Vielleicht gingen sie in diesen Tagen jeder eigene Wege. Vielleicht brauchten sie diesen Abstand, weil sie zu viele Jahre zu viel zusammen waren. Vielleicht differierten ihre Meinungen über das Material und Marian musste es deswegen alleine veröffentlichen. Vielleicht ging es aber auch um die live- Konzert- Frage. Schließlich ging Marian mit diesem Material raus auf die Bühne, wenn auch nur für ein einziges Konzert. Eigentlich ist es auch egal. Für uns Fans ist es in jedem Fall eine Bereicherung. 
Es dauerte eine ziemliche Weile bis sich Alphaville 1994 für ein weiteres Album zusammenfanden. Übrigens das letzte im Lu-napark Studio. Alphaville stellten fest, dass das Studio auf Dauer sehr teuer ist und deshalb wurde es verkauft. Für mich ist „Prostitute“ übrigens Alphavilles bestes Album. Sie hatten inzwischen wirklich gelernt, ihre Musik perfekt zu machen. Das Album besticht durch die Vielzahl an Stilen und messerscharfen Songtexten. Die Songtexte sind sehr realistisch geworden, ganz an-ders im Vergleich zu „Afternoons in Utopia“. Eigentlich hätte dieses Album sehr erfolgreich werden können. Es ist zeitlos und trifft den Nerv. Jedoch hörte inzwischen niemand mehr zu. Alphaville hatten ihren Ruf weg. Dagegen hätte man nur mit einer großen Promotion- Kampagne angehen können, mit der den Medien und damit auch den Plattenkäufern und Radiohörern gesagt hätte werden müssen, „Hey Alphaville sind wieder da und sie sind toll“. Doch das hätte von der WEA finanziert werden müssen, deren Interesse aber wohl nur noch in Richtung Vertragsende ging, es mit möglichst wenig Geldeinsatz zum Ab-schluss zu bringen. Und so blieben Alphaville, die Band, die 1984 mal bahnbrechend war. Die auf Riesenhits wie „Big in Japan“, „Sounds like a melody“ und „Forever Young“ reduziert werden und nach wie vor als Querdenker eingestuft werden. 
Für sein zweites Soloalbum „United“ hatte es Marian schwer, eine Plattenfirma zu finden, die zu entsprechenden Konditionen zu einer Veröffentlichung bereit war. In Südafrika machte es schließlich Tusk Records. Somit fand ein sehr gutes Album mal wieder viel zu wenig Beachtung. Das Album ist mit erster Güte produziert. Alphaville waren inzwischen Profis, die ihre Arbeit wirk-lich gut verstanden und sie kannten eine Menge Leute in Künstler- und Produzentenkreisen, die ihnen halfen. Marian verbachte viel Zeit in London beim Manager K.P. Schleinitz, was der Musik auch einen sehr internationalen Touch gab. In Deutschland interessierte sich niemand mehr dafür. Als Alphaville 1996 erstmalig auf Tour gehen, denken die meisten, Alphaville existieren schon lange nicht mehr. Die meisten Zuhörer kennen auch nur die alten Hits und kaum neues Material. Am besten verkauft sich beim Merchandising bei den Konzer-ten die „First Harvest“.
Für Alphaville und ihre Fans waren die Konzerte allerdings eine sehr wichtige Erfahrung. Das war der Teil, der allen bisher noch fehlte und der sich auch im darauffolgenden Album widerspiegelte.
Das letzte WEA Album „Salvation“ erschien 1997. Musikalisch scheint es wieder etwas zurück zu den Wurzeln zu gehen. Es ist ganz klar eine Folge aus den Erfahrungen, die Alphaville in ihrer Entwicklung gemacht haben. Musikalisch ‚einfach’ und spontan gehalten, wie beim Debutalbum. Nicht bombastisch wie bei „Afternoons in Utopia“ und nicht zurückgezogen wie bei „The Breathtaking Blue“. Produziert wieder mit aller erster Güte, weil sie das jetzt beherrschen., wie kaum ein anderer und live spielbar. Irgendwie ist dieses Album auch wie ein Abschluss einer Reise. Ricky verlässt aus privaten Gründen die Band. Marian und Bernhard arbeiten die Vergangenheit auf. Der Vertrag mit der WEA ist zuende. Alles was jetzt kommt ist Neuland, wie ein Neuanfang. Es ist nicht so wichtig, ob dieses Album der große Erfolg wird. Es war hauptsächlich wichtig für die Entwicklung. Sicherlich möchte jeder Künstler auch erfolgreich sein, aber Alphaville haben für sich selbst die Erfahrung gemacht, dass Erfolg um jeden Preis für sie einfach nicht gut ist. Sich selbst zu verkaufen oder manchmal auch halbherzige Kompromisse eingehen zu müssen, wiegt eben viel schwerer. Das ist etwas, was Plattenfirmen, Medien, Manager und manchmal auch Fans nicht verstehen können oder wollen.
Mit der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit beschritten Alphaville auch zugleich ihren neuen Weg. Sie sichteten altes und neues Material, was 1999 in einer 8-CD Box veröffentlicht wurde. Dieses Mal ohne Plattenfirma. Man fühlte sich viel freier und unabhängiger ohne, auch wenn es mühsam war, alles selber zu machen. „Dreamscapes“ zeigt Alphaville, wie sie wirklich sind. Alphaville erkannten auch, dass ihre Fans das potentielle Publikum sind (schöne Mädels gab’s da auch). Die „Dreamscapes“ richtete sich hauptsächlich an die Fans. Denkt man zurück an die Anfänge, so ist das schon unglaublich, dass es wirklich Fans ihrer Idee gibt. Von Zeit zu Zeit öffneten sich Möglichkeiten, hier und da damit auch noch kommerziell zu sein („Visions“). In Amerika fand man ein Label, welches sich voll und ganz der Synth- Musik verschrieben hatte. Alphaville wurde eine der wichtigsten Bands, die bei A Different Drum vertrieben werden.
Und somit fand Alphaville auch zurück auf den deutschen Markt, wenn auch ‚nur’ in die Synth Szene. Das Musik- Business ist aber auch so vielschichtig geworden, dass es ausreicht, die Zielgruppe so zu erreichen. Wozu Geld ausgeben für einen Markt, auf dem man wahrscheinlich sowieso keine Chance hat. Betrachtet man Alphaville als Zufallsprodukt und auch Glückstreffer, so ist das, was sie erreicht haben, gigantisch genug und auch sehr zufriedenstellend.
Eine neue Herausforderung fanden Alphaville 2000 in der Produktion eines Livealbums „Stark naked and absolutely live“. Ein Livealbum ist immer eine heikle Angelegenheit und Alphaville wären nicht Alphaville, wenn sie es nicht perfekt machen würden. Nicht umsonst wurde das Album für die überragende Produktionsqualität gelobt und nicht umsonst platzierten sie sich damit mehr als 40 Wochen in den Webcharts und schafften es damit sogar auf Position 1 in den selbigen.
Ein Livealbum ist irgendwie auch eine Art Best- of und somit auch kommerziell. Es ist Alphaville damit gelungen, ein richtig großes Vertriebslabel (SPV) für sich zu gewinnen und dies war der Schritt zurück in die deutschen Plattenläden.
Damit sind Alphaville wieder bahnbrechend und wiederlegen alle, die Alphaville längst abgeschrieben und totgesagt haben (auch wenn die davon wohl nix mitkriegen). Mit ihrer monatlichen Download Aktion „Dreamscapes 9“ 2000/2001 ermöglichten sie es jedem, unmittelbar an der Kreativfabrik teilzuhaben. Sie benutzen sogar Texte, die Fans geschrieben haben. Sie schafften es ihre Fans zu bewegen ein Tribute Album zu erschaffen und wieso nur sieht man solche Download Aktionen inzwischen auch auf den Webseiten anderer Bands? Die einzige Antwort lautet, weil Alphaville gut sind und am Leben!
Einziger Wehrmutstropfen aus der Sicht mancher Fans scheint zu sein, dass Marian und Bernhard offensichtlich getrennte Wege gehen. Zeitgleich mit der Downloadaktion veröffentlicht Bernhard gemeinsam mit einem „alten“ Freund Max Holler ein Album unter dem Pseudonym Atlantic Popes. Max Holler tauchte übrigens bereits viel früher unter dem Namen Ulli Holler auf (1992 „That’s all“). Einen Ulli gab es auch bereits in den Alphaville Anfängen im Nelson Projekt- der gleiche? Die Wurzeln dieser Freundschaft und damit auch der Zusammenarbeit liegen vermutlich schon lange zurück und hatten ausgiebig Zeit zum Reifen. Dass die beiden mal gemeinsam was machen, ist damit auch überhaupt nicht überraschend oder verwunderlich.
Jedoch regt es natürlich zu Spekulationen an. Seit Marian ohne Bernhard live auf der Bühne steht, bohrten Fans immer wieder nach, ob Bernhard noch zu Alphaville gehört oder nicht. Durch den engeren Fankontakt bei den Konzerten drangen auch stän-dig irgendwelche Gerüchte an die Oberfläche. Unter anderem gab’s da das Gerücht, dass Manager KP Bernhard rauskanten wollte. So eine Atmosphäre kann natürlich auch spalten – in jedem Fall die Fans in ein Marian und ein Bernhard Lager.
Angeheizt wurde diese Diskussion dann noch zusätzlich durch ein weiteres Projekt „Sputnik Roadhouse“, welches Marian zu-sammen mit alten Musikerfreunden und ohne Bernhard betrieb.
Etwas Beruhigung zog mit der Veröffentlichung des Forever Pop Remix Albums 2001 ein, denn es war ein Gemeinschaftswerk von Marian und Bernhard. 2001 war das Achtziger- Jahre- Revival in vollen Gange. Zwar mag Marian es weniger, auf derartige Revivals aus kommerziellen Gründen aufzuspringen. Bernhard fand die Idee von dem Remix Album aber sehr klasse. Es ist daher weniger verwunderlich, dass sich Bernhard mehr in das Projekt kniete und auch die Promotionsachen übernahm- eine andere Sache, die Marian weniger mag. Man kann sagen, sie haben die Arbeiten optimal verteilt. Und natürlich versteht sich unter dem Remix Album keine billige Aufarbeitung der alten Songs. Das würde gar nicht zu Alphaville passen. Die Songs wur-den von anderen Künstlern geremixt. Marian hat dafür alle Songs neu eingesungen. Die neuen Versionen sind teilweise nah am Original, teilweise absolut neu. Es ist ein sehr spannendes Album. 
Interessant ist, dass dieses Remix Album von einer WEA- Tochterfirma veröffentlicht wurde. Das ist gewissermaßen logisch, denn die WEA hat die Rechte der alten Songs. Jedoch darf nicht vergessen werden, dass die WEA sicherlich auch ein wenig dabei verdient hat, immerhin enterte das Album sogar die deutschen Albumcharts. Für die Fans gab es ein besonderes Ge-schenk bei dieser Aktion, denn es gab für jeden ein Exemplar der „Forever Young 2001“ Single lediglich zum Portopreis. Inno-vativ ist dazu noch, dass sich auf dieser Single eine Software befindet mit der man den Song selber remixen kann. Verbunden war damit ein  Remix-Wettbewerb und die 3 Gewinner durften Bernhard im Studio treffen. Auch wenn die Single letzten Endes nicht in die Läden kam, so lief der Song bei manchem Musik- TV- Kanälen, denn dazu gibt es ein fantastisches Cartoon-Video. Das ist besonders deswegen bemerkenswert, da es das erste AV- Video seit annähernd 7 Jahren sein dürfte, welches auch im TV lief.
Im Herbst 2001 erschien außerdem eine Alphaville live DVD. Dieses Projekt wurde von amerikanischen Fans ins Leben gerufen und realisiert und von Alphaville autorisiert. Dafür wurden Alphavilles 99er Konzerte im amerikanischen Salt Lake City gefilmt.
Im Oktober 2001 endete die Downloadaktion „Dreamscapes 9“ mit dem Hinweis darauf, dass die Songs auf einem Album er-scheinen werden, welches 2002 erscheinen sollte.
Tatsächlich erschien das Album erst Anfang 2003 – mal wieder ganz typisch Alphaville! Aber was heißt hier Album? Eine 4 CD Box namens „Crazy Show“ wurde darauf. Wieder limitiert, wieder nur per Internet erhältlich, wieder vollkommen unabhängig von Plattenfirmen, wieder hoch gelobt in der Synthi- Szene. Im Vorfeld wurde bekannt, dass Bernhard sich bei dieser Veröffentli-chung nicht beteiligen würde. Dies entfachte natürlich wieder die Diskussion um das Thema, WER denn nun Alphaville sei. Eine Trennung wird zeitgleich mit der Crazy Show Veröffentlichung Anfang 2003 bekannt gegeben (evtl. auch auch „Druck“ der Fans), der Bruch erfolgte jedoch schon viel früher. Ich erinnere mich daran, dass Ricky mal sagte, das Prostitute- Album ent-stand nur, weil er sozusagen als Vermittler die beiden zusammen ins Studio holte. Ich muss aber auch sagen, dass ich Alphavil-le nie so starr gesehen und die Band auf Namen reduziert habe. Neben den Kopfmitgliedern waren immer auch andere Leute dabei, die zu den Produktionen wesentlich beitrugen. Ich pflegte immer von einem offenen Projekt zu reden. Ein Gebilde, wel-ches sich immer mal wieder wandelt. Und mit der Bekanntgabe der Trennung wurde ja auch offen gehalten, dass es nicht aus-zuschließen ist, dass Marian und Bernhard auch mal wieder was gemeinsam machen. Aus diesem Grund könnte die Trennung auch mehr eine Momentaufnahme sein. Bei Alphaville ist alles möglich!
Schade ist nur, dass das Album etwas unter dieser elenden Diskussion leidet und die Fans noch stärker in 2 Lager gespalten werden. Es gibt sogar Fans, die sich wegen des Crazy Show Albums nahezu von Alphaville (= Marian) losgesagt haben. 
Und das hat dieses Album nicht verdient. Es ist sehr authentisch für Alphaville und für mich schließt sich mit diesem Album irgendwie der Kreis erst richtig. Habe ich diese Biographie doch begonnen mit einem damals 25jährigen, der einem Traum nachgeht,  daran festhält. Inzwischen handelt es sich um einen 48jährigen, die Leute um ihn herum haben ständig gewechselt aber der Traum ist immer noch da. Ich habe bewusst mit Marian begonnen, denn er hatte die zündende Idee, die er dann auf den Weg gebracht hat, zugegen nie alleine, aber er war immer der kleinste gemeinsame Nenner. Deswegen ist er auch das Herzstück und der Kopf von Alphaville. Es gab noch nie ein so offenes AV-Album wie Crazy Show für mich ist und musikalisch entspricht es genau Alphaville, so wie sie immer waren, jedoch eventuell nie gesehen wurden.
Ilwa Drößler