Freiburg im Breisgau, 20.04.2002, 20:00 Uhr, Jazzhaus 
(geschrieben von Ralf Spengler)
Wer hätte das gedacht, dass Alphaville mal in meiner badischen Heimat auftreten werden!? - Ich nicht! Aber am 20.04.02 war es soweit. 
Kurz nach 20:00 Uhr startete die Vorband L’Avantgarde das Konzert im Gewölbekeller des Freiburger Jazzhauses. Die ½ Stunde des Popduos kam im gut gefüllten Saal positiv an mit seinem tanzbaren Elektrosound; angesiedelt irgendwo zwischen Camouflage und Depeche Mode. 
Nach kurzer Umbaupause kam dann auch schon Marian Gold mit seiner dreiköpfigen Live-Band auf die Bühne. Bereits der Opener "Elevator" wurde vom Publikum gut aufgenommen. Obwohl ich das Stück nicht zu meinen Favoriten zähle, hat mich die Live-Version positiv überrascht und gleich wieder in den Alphaville-Live-Rausch versetzt. Neben einigen neuen, meist ruhigeren Titeln und den Dance-orientierten "Guardian angel" und "Monkey in the moon" aus dem Album "Salvation", durften natürlich auch die Klassiker nicht fehlen, die dann das Publikum völlig mitrissen. 
Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass "Big in Japan" wieder in der gitarrenlastigen Version gespielt wurde (echt geil!). Weniger gut hat mir die Version von "Jerusalem" gefallen, die aber gerade in heutiger Zeit unbedingt ins Live-Programm gehört ("Let’s take love to Jerusalem"). Sehr gut kam beim Publikum auch die rockige Version von "Sounds like a melody" an. Wie wohl überhaupt die Leute von dem eher rockig angehauchten Konzert überrascht aber durchaus angetan waren, wie es mir schien. 
Schon nach der Hälfte des Konzertes stimmten dann unentwegte Romantiker (auch schon leicht angetrunken) in den kurzen Pausen zwischen den Songs "Forever young" an. Doch bevor dieser Klassiker zum Besten gegeben wurde, gab es noch die grandiosen "A victory of love" und "Wishful thinking" (mein Favorit!) zu hören. Letzteres kannten zwar die meisten Hörer im Saal wohl nicht, gingen aber trotzdem begeistert mit. Ich denke das Freiburger Publikum war von der Alphaville- Performance echt beeindruckt, was sich auch in zwei Zugaben niederschlug. Wobei Marian bei der Unplugged-Version von "Dance with me", dem Schlussstück des gut 1 ½-stündigen Konzertes, zweimal neu einsetzen musste, da die Jubelrufe (einige hätten lieber die schnelle, tanzbare Version gehört) ihn aus der notwendigen Ruhe brachten. Aber er konnte das Lied doch noch zu einem guten Ende bringen. Wie mir schien, war seine Stimme an diesem Abend sowieso sehr sicher und stimmgewaltig (Stimmübungen?). 
Alles in allem ein gelungenes Konzert, auch für die Nicht-Hardcore-Alphaville-Fans.
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Konzertbericht Freiburg, 20.04.02, aus Badischer Zeitung
Forever young 
Alphaville-Konzert im Freiburger Jazzhaus 
Was tun als in Erinnerungen schwelgender Musikfreund am Samstagabend? Wer - an Stelle der 80er-Jahre-Show auf RTL - für ein überraschungsreiches, bisweilen bizarres Konzert offen war, konnte sich kaum einen besseren Platz wünschen als das gut gefüllte Freiburger Jazzhaus. 
Erwartungsvoll standen Fans, die ihr Taschengeld seinerzeit noch für die Vinyl-Maxi von "Big In Japan" gespart hatten, neben Jungvolk, das den Klassiker erst bei der letzten Studenten-Party für sich entdecken konnte. Doch beide Altersgruppen teilten eine Gemeinsamkeit: Für die meisten von ihnen war es wohl das erste Alphaville- Konzert. Denn die Geschichte der Band aus Münster ist eine verschlungene: Erst zehn Jahre nach ihrer Gründung, als die Zeit der großen Hits schon längst vorbei war, gab das Trio 1993 sein erstes Konzert - in Beirut. Drei Jahre später zum Duo geschrumpft verkündete Komponist Bernhard Lloyd, künftig nur noch im Studio zu arbeiten, und so kam es, dass seitdem Sänger Marian Gold unter dem ungewöhnlichen Namen "Alphaville & Band" erfolgreich um die ganze Welt tourt. 
Keine reine Konservenmusik war also zu erwarten, als der französische Gitarrist im Jazzhaus zur Mundharmonika griff und die beiden britischen Bandmitglieder an Schlagzeug und Keyboard ihre Plätze einnahmen. Fehlte nur noch der New Wave-Schönling Marian Gold. Doch zunächst machte sich noch ein etwas fülliger Bilderbuch-Roadie mit abgeschnittenen Ärmeln und Seemanns-Tattoes am Mikrofon zu schaffen. Als dieser aber zur allgemeinen Überraschung auch noch zu singen begann, wurde klar: Die 20 Jahre Bandgeschichte sind am Alphaville-Frontmann nicht spurlos vorbeigegangen. Glücklicherweise galt dies nicht für seine Stimme: Die ist immer noch glockenhell und bewältigt selbst die hohen Falsett-Töne - wenn es der Sänger denn will. Denn Gold hatte für das Konzert viele Songs nicht nur teils radikal umarrangiert, sondern auch eine Tonlage tiefer angesiedelt. 
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Die Frischzellenkur bekam dem Programm bestens 
Die passte auch besser zu den Rockstar-Posen, die der 47-Jährige mit einer Inbrunst einnahm, als hätte er sich am Vortag seine erste Bon-Jovi-Platte gekauft. Machte aber nichts, denn die unkonventionelle Frischzellenkur bekam dem Programm bestens: Vor allem "Big In Japan" glänzte als mit schweren Gitarrenbreitseiten angereichertes Energiemonster, das die unsägliche Crossover- Coverversion der Guano Apes vergessen machte. Selbst "Sounds Like A Melody" legte gegenüber dem wahnwitzigen Streicher-Galopp der ursprünglichen Fassung noch einen Gang zu, während die einstigen Bombast-Nummern "Dance With Me" und "Jerusalem" als fast bis zur Unkenntlichkeit skelettierte Balladen überraschten. 
Bei den freundlich aufgenommenen Highlights der Alphaville-Alben jüngeren Datums galt der meiste Szenenapplaus bezeichnenderweise den Keyboard-Sequenzen von Tastenmann Martin Lister. Was die einen als Sounds der 80er bejubelten, erinnerte die Jüngeren an aktuelle Electronic-Acts. Zumindest die Musik von Alphaville bleibt bis auf weiteres "Forever Young". 

Stefan Rother