03.05.2002 Alphaville live im Berliner Columbia Fritz mit anschließender Fanparty anlässlich des 20jährigen Bandbestehens
geschrieben von FAT
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Es überraschte uns schon, dass wir so problemlos direkt vor der Tür des Berliner Columbia Fritz unser Auto abstellen konnten. Angst ums Auto musste man auch nicht haben, denn in direkter Nachbar- schaft befindet sich ein Polizeipräsidium. Gegenüber vom Columbia Fritz ist eine Tanzschule namens Traumtänzer... wenn das kein gutes Ohmen ist...
Noch größer war unsere Überraschung allerdings, dass bereits 2 Stunden vor dem Einlass, was im Klartext 4 Stunden vor dem Alphaville Auftritt war, der Eingang bereits von Fans belagert war.
Einige davon kannten wir, andere nicht. Es war offensichtlich, dass viele von weither angereist waren. Wir gingen noch am Imbiss nebenan etwas essen. Michael leistete uns Gesellschaft und wir unter- hielten uns über dies und das. Ein kurzes Hallo auch zu Bernd, Dany, Oliver und Frank. Dany hat eine Eintrittskarte übrig und sorgt sich, ob sie die noch los wird. Von Zeit zu Zeit patrouillierte die Polizei vorbei. Das hätte unserem 3jährigen Sohn Corvin gefallen.
Gestärkt begaben wir uns wieder zurück vor die Türen des Columbia Fritz. Es herrschte allgemeine Aufregung, vor allem darüber ob man nun den Fotoapparat mit hineingeschleust bekommt oder nicht. Durch die Berichte in der Mailingliste war inzwischen bekannt, dass die Kontrollen am Eingang schärfer waren als bei früheren Alphaville Konzerten. Man merkte das auch deutlich daran, dass es wesentlich weniger Fotos von den Konzerten zu sehen gab.
Langsam kamen immer mehr Leute an. Da wir sehr viele davon (er)kannten, gingen wir davon aus, dass es sich überwiegend um Fans handelte. Aufgrund der Tatsache, dass es nach dem Konzert eine Fanparty geben würde, war klar, dass viele Fans kommen würden, auch aus dem Ausland.
Ein besonders herzliches Wiedersehen gab es mit Hervè, der mit einem Begleiter aus Frankreich angereist war. Sein Begleiter brauchte noch ein Ticket und sofort fiel uns Dany wieder ein, die doch eins übrig hatte. Jedoch hatte dies bereits einen Abnehmer gefunden.
Wir vermissten noch die Italiener und die Skandinavier. Wir unterhielten uns hauptsächlich mit den Fans, die wir auch persönlich näher kannten. Katrin kam gleich mit einer größeren Gruppe von Bekannten und Freunden. Auch Andrè hatte noch Leute im Schlepptau. Stellvertretend für viele, viele Fans seien hier noch Yvonne, Madlen, Rosie, Jana, Sylvia, Alex & Manuel genannt. Irgendwoher hatte Hervès Begleiter in der Zwischenzeit auch noch ein Ticket aufgetrieben. 
Gedrängel kündigte an, dass der Einlass begonnen hatte. Also machten wir uns auch auf. Eine recht herrische Dame war für die Kontrolle zuständig. Sie brachte laut ihren Unmut über Tetrapacks und Fotoapparate zum Ausdruck. Ein Maulen ging durch die Menge.
Einige wenige schafften es aber doch, ihren Fotoapparat am Hausdrachen vorbeizuschleusen.
An der Dametoilette hatte sich eine lange Schlange gebildet. Während des Anstehens konnte man das Merchandising Sonderangebot studieren: Für 10 Euro konnte man das Album der heutigen Vorband L’avantgarde sowie der Band L’image, die bei ein paar anderen Konzerten der AV Miracle Healing Tour spielte, kaufen. Außerdem gab es dazu die Single „Not prepared“ von Mesh und den A different Mix Sampler aus den USA auf dem „The Elevator“- Remix von Alphaville zu finden ist. Zettel, auf denen mit diesem Sonderangebot geworben wurde, hingen überall – sogar auf dem Klo!
Der Saal hatte sich schon recht gefüllt. Wir besuchten den Merchandising- Stand. Es waren nur noch wenige der Moonboy und Moongirl T-Shirt übrig. Und die Tatsache, dass es nur heute zu jedem Shirt auch noch eine signierte CD mit dem entsprechenden Demo Moonboy bzw. Moongirl gab, sorgte dafür, dass die wenigen Shirts alsbald vergriffen waren.
Der Saal wurde immer voller. Die Plätze direkt an der Bühne waren umkämpft. Wir postieren uns an der ersten Treppenstufe ein paar Meter entfernt. Wegen unserer geringen Körpergröße, war uns so ein guter Blick auf die Bühne möglich. Allerdings standen wir scheinbar mitten auf dem Pfad, auf dem die Durstigen zwischen Bühne und Bar hin und her pilgerten. So kam auch Willy des öfteren in Richtung Bar vorbei, um Bier- Nachschub zu besorgen. Wobei uns schleierhaft war, wie er jedes Mal zur Bühne zurück gelangte. 
Das Columbia Fritz war ausverkauft! Gerüchte verlauteten sogar mehr als ausverkauft. 
Pünktlich um 21 Uhr kam die Vorband L’avantgarde auf die Bühne. Sie spielten ca. 40Minuten typische Synthi- Musik. Das Outfit und die Bewegungen des Sängers erinnerten ein wenig an Marc Almond. Grundsätzlich sind wir immer ziemlich aufgeschlossen was Vorbands angeht. L’avantgarde sind unserer Meinung nach durchschnittlich gut. Uns persönlich ist die Musik nicht abwechslungs- reich genug. Und uns ist besonders nach dem Alphaville Konzert aufgefallen, dass die Stimme des Sängers ziemlich dünn ist. 
Kurz vor 22 Uhr ging’s los mit Alphaville. Die Musiker kamen einzeln auf die Bühne. Zuerst Drummer Pierson Grange, dann Gitarrist Christian Marsac, unter lautem Beifall Martin Lister und zuletzt Marian. Wir stellten mit Erleichterung fest, dass sein Bein sich nach der Verletzung scheinbar vollkommen erholt hatte.
„Elevator“ machte den Anfang. Die neue Livefassung krachte weniger, dafür überraschte Christian mit seinem Mundharmonika- Solo. Es ging weiter mit einem der Websongs: „(waiting for the) new light“. Wer frühere Alphaville Konzerte besucht hat, bemerkt an dieser Stelle gleich die große Veränderung – die neue Effektshow. Der Song ist untermalt von Börsendaten, Konstruktionsplänen und Stadtplänen, die überall ringsum auf der Bühne sichtbar werden. Es ist wie eine Spannung, die sich bis ins Unerträgliche steigert. „Guardian Angel“ berührte uns dieses Mal besonders aufgrund persönlicher Erlebnisse der jüngsten Vergangenheit. Das Lied erzählt davon, am Bett eines Sterbenskranken zu wachen. Mit „Shadows she said“ geht es weiter mit einem der Websongs. Die gezeigten Effekte versetzen uns in die Lage eines Flüchtenden, der Lichter und Fetzen von Bildern beim Rennen vorbeifliegen sieht. „Monkey in the Moon“ ist untermalt mit Gittern. Am Liedende sieht man die Mondoberfläche. „Carry your flag“ kündigt Marian so an: „Dieses Stück hab ich für euch geschrieben“. Die Frau, die rechts neben uns steht, nimmt dieses sehr bewundert entgegen und ist ganz hin und her gerissen. Man sieht Bilder von (angeblichen) Superhelden.
Den nächsten Song „ Girl from Pachacamac“ haben wir schon mal gehört. Es war vor 2 Jahren beim Fanclubtreffen in Thale. Damals war es eine rohe Demoversion. Inzwischen erkennt man den Song kaum wieder. Er hat sich sehr gemausert. Ist sogar eines der Lieder, das uns am besten gefallen hat, vom gesamten Konzert. Der Hintergrundsound erinnert irgendwie an Wassertropfen. Oder kam einem das nur so vor, weil die Effekte auch nach Wassertropfe aussahen?
Es folgt einer der Hits, auf den bei jedem Konzert alle warten: „Big in Japan“. Es ist die harte Version, so wie das Lied ganz zu Beginn seiner Entstehung mal klang. Aber das wissen nur eingefleischte Fans. Der Rest glaubt, Alphaville hätten den Song dahingehend verändert, weil Guano Apes damit kürzlich erfolgreich waren. Die Effektshow ist in Rotlicht getaucht... man sieht Verbotsschilder, Frauen, eindeutige Anspielungen auf Sex. Mit „Those wonderful  Things” wird wieder einer der Websong eingestreut. Es ist einer der Songs, der uns musikalisch weniger gefällt. Live kommt der Kontrast zwischen dem fürchterlich schmalzigen Text und der harten Musik noch besser zum Ausdruck. Der Song, der der Tour den Namen gab, folgt. Zu „Miracle Healing“ versetzt einen die Effektshow in den Himmel ins vermeintliche Paradies. Als die eindeutigen Anfangstöne von „Sounds like a melody“ ertönen, tosen die Massen. Im Nachhinein stellen wir fest, dass es wohl der Song war, der am begeistertesten aufgenommen wurde.
Zu „Upside Down“ sieht man lodernde Flammen. „A victory of Love“ wurde vollkommen neu arrangiert, so dass man das Lied nicht mal auf Anhieb wiedererkennt. Marian leitete es mit den Worten „Back to the future“ ein. Es klingt sehr modern. Der Song gehörte schon immer zu denen, die den Ruf genießen, dass sie eine tolle Single gewesen wären. Entsprechend gut geht das Publikum mit. Den Refrain singt das Publikum so laut mit, wie man es sonst nur bei „Forever Young“ hört. Wobei das natürlich auch daran liegen kann, dass so viele treue Fans im Saal sind. Durch einen sehr geschickten Übergang merkt man gar nicht das Ende des Liedes. Jedoch spielt die Band tatsächlich inzwischen „Wishful thinking“. Wir erinnern uns nicht mehr ganz genau, ob es wirklich bei diesem Lied war, dass die Effektshow Seifenblasen zeigte. Es war jedenfalls ein Lied zu dessen Inhalt es sehr treffend passte. Am Ende des Liedes platzt die Seifenblase, während der Sound ebenso zischend erlischt.
Von „Wishful Thinking“ leitet Marian nochmals sehr gekonnt über in den nächsten Song, der „Forever Young“ sein wird. Er sagt so was wie“...jetzt kommt genau das Gegenteil“... und muss selber drüber lachen. „Forever Young“ ist immer der Höhepunkt eines Alphaville Konzertes und deswegen gekonnt platziert als letzter Song des Hauptteils. Die Dame rechts neben uns kuschelt sich an ihren Partner.
Die Musik erlischt und die Band verlässt obligatorisch die Bühne. 
Schon bald darauf kehren sie zurück. „Es folgt ein Science-fiction- Lied“, kündigt Marian „First Monday in the year 3000“ an. Dazu sieht man Endzeitbilder…
Die Stimmung des Liedes passt sehr gut zu “Forever Young” und damit ist der Song auch treffend ins Konzert eingereiht. Wir sind überrascht wie gut das Lied live wirkt. Das hatten wir nicht erwartet.
Nach einer kleinen Pause – dieses Mal vermuten einige schon, dass bereits Schluss ist, denn sie gehen schon- kehren Martin und Marian erneut zurück. Es folgt die Balladenversion von „Dance with me“. Immer noch wunderschön. Jedoch ist der Überraschungseffekt inzwischen verflogen. Das ist jedenfalls unser Eindruck.
Dann ist wirklich Schluss. Und es war ein sehr erfolgreiches Konzert. Das Publikum war altersmäßig sehr gemischt. Die Stimmung war gut. Klar, nicht jeder ist voll ausgerastet. Aber jeder hat eine andere Mentalität. Wir hatten jedenfalls den Eindruck, dass sich niemand, den wir gesehen haben, gelangweilt hat.
Uns sind einige Leute aufgefallen, die scheinbar auch Fans der Band sind. Jedoch kannten diese Leute nicht so die neuen Sachen wie die Dreamscapes9- Lieder. Trotzdem sahen diese Fans auch sehr glücklich aus. 
Unserer Meinung nach liegt der größte Unterschied und Weiterentwicklung zu früheren Konzerten in der visuellen Umsetzung. Hier sind deutliche Fortschritte zu bemerken. Für die visuellen Effekte hat übrigens Rick Kay gesorgt, verriet uns Claudia vom Moonbase und auch, dass er daran fast ein halbes Jahr gearbeitet hat. Die Bilder stammen bis auf einige wenige (die historischen zum Beispiel) aus seinem Fundus, zum größten Teil hat er diese selbst gefilmt oder gezeichnet. In einem sehr aktuellen Interview sagte Marian: „Diese Konzerte sind ein erster Schritt in eine Richtung, wie ich mir zukünftige Auftritte vorstelle. Ich wünsche mir, dass die Musiker der Band, inklusive ich selbst, in Zukunft nur noch Statisten, besser gesagt Protagonisten sind, die den akustischen und optischen Film, der auf der Bühne abgeht, einfach nur unterstützen, ähnlich wie es Pink Floyd praktizieren. Ein Konzert als Soundtrack sozusagen. Diese Methode ermöglicht dir auch, völlig unbekannte Sachen zu spielen und die Leute dennoch zu packen. Ich hoffe, dass wir in spätestens zwei Jahren soweit sind, eine solche Show zu realisieren.“
Erinnern wir uns zurück zu „Afternoons in Utopia“. Schon damals spukte die Idee einer Multi-Media-Show in Alphavilles Köpfen. Die jüngste Entwicklung zeigt uns, dass Alphaville immer noch an dieser Idee festhalten. 
Besonders auffallend ist bei dieser Show auch die Vielseitigkeit von Christian Marsac. Der Wechsel von Mundharmonika, Konzert- und E-Gitarre belebt die Show wirklich sehr.
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Der Saal leerte sich nur wenig. Jeder der nicht hinausging, wusste wohl darüber Bescheid, dass es im Anschluss noch eine Party für die Fans geben sollte. Jedoch wusste keiner genau, wo und wie das stattfinden würde. Jemand erzählte, dass Bernhard gerade eingetroffen sei. Jedoch kam er nicht weit, denn sogleich wurde er nach Autogrammen gefragt.
Die Security schien etwas ratlos, wie der Einlass zur Party abgehen soll. Claudia deutete uns, ihr zu folgen. Unser Versuch wurde allerdings von einem Security- Menschen sofort gestoppt. Nach einer kleinen Diskussion mit Claudia gab dieser dann aber doch nach. Wir gelangten zu einem Nebenraum mit einer Bar, einer Tanzfläche und einigen Sitzgelegenheiten. Es gab auch einen Zugang zum Garten. Nachdem wir sicher die „Einlasskontrolle“ passiert hatten, lösten wir durstig vom Konzert sogleich unseren Freigetränk- Gutschein, den Alphaville jedem Gast spendiert hatten (Danke!) ein. Einige taten es uns gleich, andere ließen sich erschöpft auf den Sitzen nieder und wieder andere tanzten wild zur 80er Jahre Musik, die gespielt wurde. Wir erfuhren später, dass die Lokation Auflage hatte KEINE Musik von AV zu spielen... was von einige Fans vermisst wurde... die Hits liefen zu späterer Stunde dann aber doch noch.. wir konnten nur vermuten, dass man dachte, die Band sei schon weg.
Mit jeder Party die es für die Fans gibt, mehrt sich die Anzahl der Nationen aus denen Fans anreisen. Bei dieser Party waren laut unserem Kenntnisstand Fans aus Deutschland, England, Italien, Frankreich, Dänemark, Schweden, Finnland, Spanien, USA, Schweiz, Ungarn, Israel und Tschechien anwesen.
Wegen der Musik war es sehr laut und intensive Unterhaltungen waren relativ schwierig. Dies ist uns allerdings nichts neues. Ebenso die Tatsache, dass man mit jedem nur kurz plaudern kann, weil einfach zu viele Freunde und Bekannte da sind. Wir entdeckten natürlich auch noch weitere gute Bekannte wie Jeannette, Renate, Sonja und Martin, Andrea, David und Joachim von den Skandinaviern und Adam aus Tschechien... endlich finden wir auch die Italiener. Auf Marie und Mark, die extra aus den USA angereist waren, waren wir besonders neugierig und ebenso freuten wir uns Marilyn aus der Schweiz wiederzusehen. Sie ist eine der Fans, die wir schon aus seit Mitte der Achtziger kennen.
Irgendwann tauchte Bernhard auf und steuerte erst mal die Bar an. Bald darauf mischten sich auch Christian und Pierson unters Volk. Sie wurden von Dany mit selbstgebackenem Kuchen beköstigt. Martin war auch da...allerdings sahen wir ihn nur selten...das muss an den Menschenmengen gelegen haben.
Wir unterhielten uns gerade mit Yvonne und Rosie in der Nähe des Eingangs, als Marian eintrat. Er entdecke uns sogar und kam auf uns zu, um uns zu begrüßen. Er fragte uns, wie uns die Show gefallen hätte... weiter kamen wir leider nicht, denn die Massen überrollten uns förmlich.. Claudia zog Marian noch bis zur Bar und fortan war er für den Rest des Abends von einer Traube Leute umringt. Wenn wir Manuel sahen, hatte er stets seine Videokamera dabei und filmte alles, was ihm vor die Linse kam. Jeder hatte seinen Spaß, ob nun in Unterhaltung mit den Musikern oder mit Fans und Freunden Es war eine sehr freundliche Atmosphäre.
Im Garten gab es später auch noch eine Fotosession. Bilder davon tauchten auch schon im Internet auf. Ein paar Bilder haben wir auch online gestellt
Bilder anschauen
HINTERGRUNDINFORMATION
Bei einigen der Konzerte der MIracle Healing Tour spielten nachfolgend genannte Vorgruppen 
Nürnberg, Augsburg : L'image
Aschaffenburg, Neuwied, Freiburg, Leipzig, Köln, Mannheim, Hamburg Berlin: L'avantgarde 
Beide Bands waren schon Support- Bands für Größen wie De/Vision, Wolfsheim, Beborn Beton...