Alphaville concert in Lido Budapest am, 6. April, 2002
(geschrieben von: Gabor Bacskay für Alphaville Mailingliste
übersetzt aus dem Englischen von FAT)
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K. liest neuerdings Franz Kafka - gerade jetzt liest er "Das Schloß". Oh,
kümmere dich nicht um die Welt K., heute ist Samstag, der Tag des Alphaville
Konzertes.
K. - als guter Vegetarier, hatte sein Abendessen im Café Central zusammen
mit seiner Hindu Ehefrau. ("It's the start of the season."). Sie hatten Käse
und Kaffee. Der Himmel ist bewölkt, es sind etwa 6 Grad, aber wenigstens im
Cafè ist es warm.
Es ist 19 Uhr. K. bezahlt die Rechnung und sie stellen sich in die Schlange
vor dem Nachtclub. Der Wind bläst eiskalt. K. ist besorgt, dass sich seine
Frau eine Erkältung einfangen könnte. Ein Mädchen hämmert gegen die Glastür
und die ungeduldige Menge wird endlich eingelassen.
Die Garderobe ist unglaublich teuer. K. schaut sich die Bilder an der Wand
an. Sie gehen in den Saal, die Bühne ist rund. K. denkt darüber nach, dass
dieser Ort bis 1945 das City Café (Belvárosi Kávéház) war. Das Gebäude an
sich wird Klotild Palast genannt. Klotild war eine österreichische
Prinzessin (was auch sonst).
K.'s Frau bringt Orangensaft. Bis das Konzert um 21 Uhr anfängt, müssen sie
warten. K. wird von kahlköpfigen Security Leuten angerempelt. K. würde
liebend gern von "millions of sailors" redden, aber es waren nur 80-100
Leuten im Saal, inklusiver der zahlreichen Security Leuten und
Organisatoren.
K.'s Frau tratscht mit einem anderen Mädchen. Dieses Mädchen erzählt, dass
sich Marian bei der vorherigen Show am 5.4. in Trencin ernsthaft verletzt
hatte und dass es nicht absolut klar war, ob er diese Show heute machen
könne. Armer Marian....zwischen den Pfeilern ist die Akustik sehr schlecht.
Es war eben einst ein
Cafè und keine Konzerthalle. K.'s Frau unterhält sich derweil mit einem
anderen Mädchen, die eine Flasche Wein als Geschenk für Marian gekauft hat.
K. kommt der Gedanke, dass Marian vielleicht nicht so erfreut über Gäste
wäre, wenn es ihm doch nicht gut geht. Er wird dies zu entscheiden haben.
21 Uhr kommt die Band an, Marian hinkt auf dem rechten Bein, wie Lord Byron.
Beide (Lord Byron und Marian) sind hartnäckig. Der Lord durchschwamm die Dardanellen und Marian wird für 90 Minuten auf der Bühne stehen.
 
1. Elevator
Christian stimmt seine Gitarre ein wenig. Dann verschwindet er. Um 21:15
erscheint Pearson als erster auf der Bühne, gefolgt von Chistian, Mr. Martin
Lister und schließlich Marian. Zwei Männer helfen ihm auf die Bühne, wegen
seinem Bein. Dank der kleinen Halle, ist er nur 3 Meter vom Publikum
entfernt. "Elevator" ist eine B-Seite, die die Menge nicht richtig kennt.
Marian wagt es nicht, sich kraftvoll zu bewegen. Auf einer Leinwand kann man
die Musiker sehen, auf einer anderen, größeren sieht man jede Menge
Kunstwerke.

2. Waiting for the New Light
Vor Marian liegt ein Bündel Papier mit den Songtexten. Wahrscheinlich kennt
nicht mal er sie alle auswendig. Wenn er einen Song beendet hat, zerknüllt
er das Papier und wird es ins Publikum. Wow, K. denkt sich, er versucht
damit, die sichtbare faule Menge in Bewegung zu versetzen.

3. Guardian Angel
Wenigstens ein bekanntes Stück rüttelt sich verunsicherten Fans etwas auf.
Die Songliste flatter zu Martin's Synthesizer. Marian beginnt in die Show
einzutauchen und ein erstes Lächeln taucht in seinem Gesicht auf.

4. Shadows She Said
Das Publikum fällt wieder in die Stille zurück bei diesem unbekannten Song.
Es hat fast den Anschein, als sei es verboten mitzusingen.

5. Monkey in the Moon
Eins von K.'s Lieblingsliedern. K. fühlt, dass er jetzt verloren ist, aber
er verliert den Verstand nicht komplett. Drei Musiker tragen Sonnenbrillen
(außer Christian), bestimmt wegen dem starken Schein der Scheinwerfer. K.
beneidet sie.

6. Carry Your Flag
Ein ruhigeres Stück. K. beruhigt sich wieder uns guckt zu Martin, der hinter
Christian und Person versteckt steht. Auf der großen Leinwand sieht man
Stalin und Milosevic.

7. Girl From Pachacamac
Sogar K.'s Beine schmerzen langsam. Ist das eine Epidemie? Auch seine Hände
tun vom vielen Klatschen weh.

8. Jerusalem
Ein typischer Song beim Konzert. Marian macht sich nicht die Mühe, ihn
anzusagen. Marian kann sich nicht richtig bewegen, weil die Bühne zu klein
ist. K. denkt daran, dass dieser Song sehr aktuell ist. Und er denkt an
Kafka, der jüdisch war.

9. Big In Japan
"Be idem Stück hab ich mein Bein verletzt!" - schreit Marian und das
Publikum beginnt wie ein hundertköpfiges Ungeheuer zu toben. Christian und
Marian bringen die Stimmung zum Siedepunkt.

10. See Me Thru
Zeit zum Luftschnappen, aber K. kann seine Lunge noch nicht beruhigen.

11.   Miracle Healing
"Dies ist zu Weihnachten" - sagt Marian (wo wie doch gerade Ostern hatten.).
K. versucht sich an alle Songs, die er schon gehört hat, zu erinnern.

12.  A Victory of Love
Ein weiterer, großartiger Song. Marian singt ihn aus der Tiefe seines
Herzens. K. beguckt die Fans auf der anderen Seite der Bühne.

13. Upside Down
Wieder ein neuer Song, den Marian segr gefühlvoll rüberbringt. Sehr gut!.
Martin grinst breit.

14. Sounds Like a Melody
Die Menge erhebt sich wieder aus der Faulheit, während Marian routiniert
singt. Christian spielt sein Solo genußvoll. Ohne Pause geht'S gleich weiter
mit dem nächsten Song.

15. Wishful Thinking
Die Menge wird noch verrückter. falls dies überhaupt möglich ist. Es
scheint, als sei es es wert, diese Evergreens hier in Osteuropa zu spielen.

16. Forever Young
Den Refrain singt das Publikum alleine. K. singt ebenfalls so laut er kann.
Die Musiker verlassen die Bühne. Die Fans belohnen sie mit kräftigem
Applaus. Sie kommen noch mal zurück: "ich hab noch ein Lied für euch!", sagt
Marian.

17. First Monday (in the year 3000)
Ein langsamer, melancholischer Song. Nicht gerade die ideale Zugabe. Als er
verklungen ist, geht die Band endgültig. Es ist 22:50. K. und seine Frau
schaffen noch den letzten Zug, der sie nach Hause bringt.

Im kalten wind schaut sich K. die Wahlplakate an. Am nächsten Tag sind
Wahlen und Marian hat einen Tag zum Ausruhen.
Die folgenden Fotos machte der tschechische Fanclub "Underworld"
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