(geschrieben von FAT)
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Durch die vielen Fangespräche während der Konzerte, stellte sich heraus, dass über das Solokonzert von Marian Gold unter dem Namen „Albert and the heart of Gold“ nur sehr wenig bekannt ist. Aus diesem Grunde krame ich in meinem Erinnerungsstübchen, um die Zeit für einen kurzen Moment zurückzudrehen. Stelle Dir vor, es ist Januar  1991. Es kam ein Brief von Marion: „Marian Gold wird mit Band am 26.01.91 in Ostberlin in der Wabe, Dimitroffstraße live auftreten.“
Daraufhin rief ich in der Wabe an und reservierte mir eine Eintrittskarte . Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern erst gewesen, ich versuchte zu dieser Zeit auf Arbeit eine neue Programmiersprache zu erlernen. Zur Übung im Umgang mit ihr programmierte ich eine  Uhr, die rückwärts die Zeit bis zur Stunde Null zählte...:26.01.91, 21.00Uhr Berlin. 
Es blieb noch eine Woche abzuwarten. geschlafen habe ich nur unruhig, besonders in der Nacht zuvor. Die Wabe ist ein relativ kleiner Club. Ich schätze für 150 bis 200 Gäste. An einem Ende des Saales war die Bühne, davor zwei Stufen ähnlich einer Treppe. Am anderen Ende befand sich auch solche Treppe, wobei auf der obersten Stufe Tische und Sessel standen. In einer Ecke war das Mischpult aufgebaut. Ich besah die Leute, denn nach dem Einlass um 21.00Uhr blieb noch eine Stunde bis zum Konzertbeginn. Ich erkannte einige Prominente, die mit den Alphas befreundet waren wie  Julie Ocean, Michael O’Ryan (mit Gips), Patty Galore mit Begleitung, Hansi Behrendt. Ich vermutete sofort, dass noch mehr Leute vom Lunapark anwesend sein dürften. Da belauschte ich, wie eine rothaarige Frau, die auch nicht viel größer war als ich, begrüßt wurde: „Hallo Marion!“. Mein Herz schlug schneller, denn ich dachte, das ist dann bestimmt die Marion vom Moon Office, die immer unsere Fanpost beantwortet. Ich rang mit mir. Ich wollte sie zu gern ansprechen, aber was wenn sie es doch nicht war? In meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken, Ilwa jetzt oder nie, diese Chance kommt nie wieder! Ich tat es, und siehe da, sie war es wirklich und freute sich, dass ich mich doch getraut hatte...denn so konnten wir uns endlich mal persönlich kennenlernen. So erfuhr ich dann auch, dass ca. die Hälfte der Anwesenden, Freunde von Alphaville waren: Ariane, Karin, Michael...
Dann begann das Konzert. Als Musiker wurde Marian unterstützt von:

Blacky Schwarz-Ruszcznski (UKW,The Other Ones) an der Gitarre,
Tony Nissl am Drums,
Stefan Gottwald (The Other Ones) am Keyboard,
Moses Schneider am Bass sowie
Rulando Belli an der zweiten Gitarre.

Ich war sehr gespannt auf Marians Livestimme. Wird sie wohl laut und kräftig sein oder leise? Wie anders gegenüber den Plattenaufnahmen wird es klingen ? Dann blieb mir fast das Herz stehen und eine Gänsehaut überzog mir den Rücken, ich glaubte der Saal ist nicht groß genug und müsste zerplatzen, weil seine Stimme so kräftig den Raum füllte. Es war einfach überwältigend. Er sang die Songs, die viel später als „So long Celeste“ veröffentlicht wurden und eventuell noch andere (das ist schwer nachzuvollziehen, weil die Flut von Eindrücken an dem Abend kaum zu verarbeiten war). Der Sound klang wie ein Zwischenschritt in der Entwicklung von „The breathtaking blue“ und „Prostitute“. In dieser Zeit entstanden ja auch diese Songs. Mir gefielen die Liveversionen viel besser als später die Mixe von Kid und John. Ich möchte sogar behaupten Kid und John haben die Songs „versaut“. Ich bemerkte damals auch jemand, der die Show aufzeichnete. ich fragte Marion später, ob es möglich wäre an die Aufnahmen heranzukommen. Es handelte sich aber leider um Privataufnahmen, die nicht weiterzugeben waren. Schade! zumal sich das Konzert nur dieses eine Mal aufgeführt wurde.
Um sich die Atmosphäre noch besser vorstellen zu können, rufen wir uns die damalige politische Lage ins Gedächtnis zurück. Im Nahen Osten tobte der Golfkrieg und beherrschte unser aller Gedanken. Marian stellte das gesamte Konzert unter das Motto „Peace on earth“ und prangerte das unsinnige Töten  an. Einmal trat er im Totenkopf-T-Shirt auf die Bühne, was die Wirkung noch unterstrich. Mit dieser Atmosphäre traf er mitten in die alltäglichen Emotionen, die wohl die meisten zu dieser Zeit bewegten. Umso intensiver war mein Gefühl bei den aktuellen Konzerten, als wieder „Peace on earth“ das Konzertmotto war und zugleich machte es uns traurig, das es leider  immer noch so aktuell war. Wir haben zu allen Liedern ausgelassen getanzt, als ich plötzlich Ricky erkannte, der direkt neben mir stand. Vor Überraschung waren meine Glieder wie gelähmt. Ich bat ihn und Bernd später um eine kleine Message für unsere damals schon erscheinende Ivorycitycide. Ich erfuhr dabei auch, dass Ricky gerade vor zwei Tagen Vater eines Sohnes geworden war. Ich konnte mich auch mit Moses, Hansi und Julie unterhalten. Um zu Marian zu kommen, musste ich noch warten, denn der stand unter der Dusche. Außerdem musste ich Christian, der an dem Abend den Leibwächter spielte, überzeugen, dass er mich dann hinter die Bühne lässt. Wer also geduldig wartet, wird auch belohnt. Ich konnte eine halbe Stunde mit Marian reden. Auch er schrieb mir was für unsere Zeitung auf. Ich war danach noch so aufgekratzt, dass ich natürlich nur wenig schlafen konnte. Ich war schon so gespannt, die Songs auf CD zu erhalten...damals wusste ich noch nicht, dass ich darauf noch 18 Monate warten musste bis ich „So long Celeste“ in den Händen halten konnte. 

(Quelle ICS 1+2/1996)