Unser allererstes Fanclubtreffen
Seit Wochen hatten wir uns darauf vorbereitet, heute war es soweit: unser erstes Fanclubtreffen.
Uns war etwas flau im Magen. Ob wohl alles so klappen wird, wie wir uns das vorgestellt hatten?  Seit den letzten paar Tagen stand unser Telefon auch schon nicht mehr still. Viele riefen noch einmal an, daß sie kommen oder aber auch, daß sie total unglücklich seien, denn sie müßten am Wochenende Überstunden schieben und könnten deshalb doch nicht nach Berlin kommen. Als Ilwa mittags die Bürotür hinter sich schloß, stellte sie sich vor, daß sie in nur wenigen Stunden Alessandra treffen würde. Es war nicht das erste Mal, trotzdem fiel es ihr schwer, sich das auszumalen. Es war  immer wieder wie ein Kulturschock. Es ist eine andere Welt, die sich auftut, wenn Alphaville Fans zusammen kommen.
Während Ilwa die letzten wichtigen Dinge einpackte: Videos, Kassetten/CD-Recorder, Fanzines, Stadtplan, Knabbe- reien, Getränke... erwachte Uwe langsam. Er hatte Nachtschicht zuvor. Schmunzelnd bemerkte er, die nächsten Nächte werden sicherlich auch Nachtschichten.

Gegen 17.00 Uhr erreichten wir Tegel und fanden auch sofort das Jugendgästehaus. Es war ein großes altes Gebäude, daß irgendwie an eine Schule oder Internat erinnerte. Es war ziemlich ruhig, denn die Hauptstraße war etwas entfernt. Und es gab auch viel Grün ringsherum. Kurzgesagt, es war sehr gemütlich. Doch bevor wir eincheckten, mußten wir noch einmal ins Einkaufszentrum einige alkoholfreie Getränke besorgen. Viel Zeit hatten wir nicht, denn Bärbel hatte ihre Ankunft für den frühen Abend angekündigt. Als wir eine Stunde später unser Quartier bezogen, war Anja schon angekommen. Nachdem wir uns herzlich begrüßt hatten, half sie uns, das ganze Gepäck auszuladen. Danach setzten wir uns in einen kleinen Raum nahe dem Eingang (wir hofften von dort alle Neuankömmlinge sehen zu können) und unterhielten uns ausgiebig über unsere Alphas. Wir sahen immer wieder zur Uhr, denn Bärbel kam nicht zur vereinbar- ten Zeit. Als Anja Hunger verspürte, wollten wir zum nächsten Imbiß zum Abendbrot gehen, da begegnete uns Michael auf der Treppe. Wir hatten also den Eingang nicht gut genug beobachtet. Er kam gleich mit zum Imbiß. Gestärkt kehrten wir zurück und hofften, jetzt vielleicht Bärbel anzutreffen. Aber negativ. Aber es blieb keine Zeit, sich Sorgen zu machen, denn Alessandra war im wahrsten Sinne des Wortes im Anflug. Es war so überwältigend, sie wieder in die Arme zu schließen (schon zum zweiten Mal in diesem Jahr). Und wen brachte Alessandra mit?...Richtig Bärbel! Aber sie kam nicht aus Italien hatte aber trotzdem  wirklich schon ein Abenteuer hinter sich. Aber wir waren froh, daß alle gut angekommen waren. Das mußte begossen werden.
Wir bemerkten gar nicht, wie die Stunden verflogen. Wir unterhielten uns so angeregt über AV und lachten viel. Eigentlich hatte das Treffen schon begonnen, auch wenn es offiziell erst morgen vormittag soweit sein sollte.
Gegen 1.00 Uhr morgens beschlossen wir, nun doch ins Bett zu gehen. Bärbel sagte sehr treffend:"sonst finden wir kein Ende mehr..."

Einen Wecker hätten wir nicht benötigt. Wir waren so aufgeregt, daß wir von allein aufwachten. Schon beim Frühstück waren wir bester Laune. Dazu trug auch Michael mit einer ungewollten Showeinlage bei. Sein Zimmer war nicht einfach vom Flur aus zu erreichen. Hinter der Tür vom Flur aus öffnete sich ein weiterer Flur und von dort aus gelangte man zu einigen Zimmern, unter anderem auch dem von Michael. Wir alle dachten, Michael sei der einzige Bewohner auf diesem extra-Flur und deshalb schlossen wir vorschriftsmäßig alle Türen ab. Während wir alle frühstückte, erschien plötzlich ein Mann im Schlafanzug im Essenraum und wollte wissen, ob noch jemand dort wohnt. Wir hätten ihn ausgeschlos- sen. Damit war für Belustigung gesorgt. Wir machten die ganze Zeit lang Witze, daß der Mann noch Glück hatte, daß er den Schlafanzug mit zum Duschen genommen hatte.
Nachdem wir den Schlüssel für unseren Partyraum bekommen hatten, begutachteten wir diesen und brachten alles, was wir brauchten dorthin. Wir hatten einen Fernseher mit Videorecorder, die Tische und Stühle stellten wir zu einem Rechteck zusammen. So konnten wir uns alle miteinander unterhalten am Tisch und hatten sogar Platz zum Tanzen. An der Wandtafel mußte noch schnell verewigt werden, daß wir ein Alphaville Fanclub Treffen machten. Langsam mußten wir uns beeilen, daß wir uns auf den Weg ins Stadtzentrum machten. Wir befürchten schon, die letzten am vereinbarten Treffpunkt zu sein.
Als wir das Café Adlon erreichten, waren schon einige Fans eingetroffen. Wir gingen hinein, denn es war kalt. Wir fanden auch einen Platz für uns alle (obwohl die Kellnerin nicht gerade erfreut aussah). Dort konnten wir auf die Ankunft der noch fehlenden Fans warten. Es war eine schöne Gelegenheit, daß sich alle kennenlernen konnten. Wir schmie- deten Pläne, was wir mit den Mittagsstunden anfangen konnten. Letztendlich nahmen wir die Bahn zum Alexander- platz. Wir statteten City Music einen Besuch ab, aßen etwas  und hatten eine wunderschöne Aussicht von der Platt- form des Fernsehturmes. Wir hatten dabei auch Glück. Als wir zur Plattform hoch fuhren, begann es zu regnen. Wir hatten die Gelegenheit, einen Regenbogen zu sehen, der sich mitten in Berlin gebildet hatte. Wir hatten noch nie vor- her einen Regenbogen aus dieser Perspektive gesehen. Es war wunderschön.
Als wir wieder auf dem Erdboden standen, hatte der Regen aufgehört und die Sonne schien erneut. Auf dem Weg zurück ins Jugendgästehaus, machten wir Station an einem Ort, wo Salvation- Posten hängen sollten. Leider waren diese bereits mit anderen Plakaten überklebt. Nachdem wir bisher nur Glück hatten, mußte doch noch etwas schief gehen. Es sollte der Videorecorder sein, der nicht funktionierte. Nachdem wir Stundenlang versuchten, doch noch ein Bild auf den Bildschirm zu zaubern, gaben wir das mit dem Video sehen letztendlich auf. 
Das war sehr schade, denn jeder hatte schon seine Wünsche geäußert, was er/sie gerne sehen würde.
Wir hatten uns so darauf  verlassen, daß wenn man uns Geräte zur Verfügung stellt, diese auch funktionieren. Ansonsten hätten wir nämlich unsere eigene Technik mitgebracht. Naja, nachdem die Stimmung erst etwas getrübt war, besserte sie sich wieder. Für das nächste Treffen haben wir daraus gelernt. Wir sahen uns Bilder, alte Zeitungs- artikel, Fanzines an. Hörten viel Musik, natürlich Alphaville, aber auch anderes z.Bsp. And One und De/vision.????
Einige tanzten auch. Zur Stärkung hatte das Jugendgästehaus ein Büfett vorbereitet. Nichts luxuriöses, aber es war alles da, was man braucht. Und es war preiswert und niemand von uns, mußte sich um den Abwasch kümmern.
Wir schrieben dann noch einen kurzen Brief an einen Fan aus Amerika. Bernd hatte für sie eine CD von (Und wir waren sehr glücklich, als Marie -der amerikanische Fan- sich über die Mailingliste dafür bedankte) Salvation gekauft und wir wollten unbedingt alle unsere Grüße dazu über den großen Teich schicken. 
"Salvation" war übrigens auch unsere bevorzugte Musik, die wir von AV an diesem Abend hörten. 
Bärbel und Anja waren ein gutes Team. Die beiden hinterließen auf der Wandtafel ein richtiges Kunstwerk: zu jedem Song malten sie etwas. Und hinterher erklärten sie uns dann die Einzelheiten dazu.
Ein Highlight des Abends kam dann noch nach Mitternacht und die ersten waren bereits gegangen und erlebten das leider nicht mehr: Ingo -ein Mitglied unseres Clubs- konnte wegen eines Trauerfalls leider nicht zu uns nach Berlin kommen, grüßte uns dafür übers Radio. Wir hatten absichtlich seine Lieblingssendung die Danceparty eingeschaltet, um ihm eventuell auch Grüße zu schicken (was wir dann in Anbetracht der fortgeschrittenen Stunde  nicht mehr geschafft hatten) und dazu spielten sie dann noch die Jet Set Maxi. Wir waren begeistert! Das waren so viele aufregende Sachen, Alphaville Fanclub Grüße, AV überhaupt im Radio und dann noch ein eher untypischer Song, denn normalerweise läuft ja immer das Übliche : Big in Japan oder Forever Young. Aber Jet Set und dann noch die Maxi, das war schon was.
Es hätte keinen besseren Abschluß für diesen Abend geben können. gegen 2 Uhr legten wir uns dann aufs Ohr. Zugegeben, wir waren schon reichlich müde, denn es war ja schon die zweite lange Nacht. Aber unsere Zufriedenheit war noch größer.

Beim Frühstück blieben die Witze, ob wieder einer im Schlafanzug kommen würde, natürlich nicht aus. Irgendwie war wir auch alle in besonderer Stimmung. Nicht etwa traurig, obwohl der Abschied bevor stand. Es war eher nochmal sehr genußvoll und auch aufgeregt, wann wohl das nächste Treffen sein wird.
Alessandra war fasziniert auf wie vielen Fanclubtreffen sie nun war und erzählte, daß der italienische Fanclub auch ein Treffen machen sollte. Sie sei jetzt auf den Geschmack gekommen. Und wir machten Witze darüber, daß wir ja vielleicht auch einmal alle nach Indonesien fahren würden, denn dort gibt es ja auch einen Fanclub, der ein Treffen veranstalten könnte. Ganz euphorisch stellten wir fest, daß AV Fans auf der ganzen Welt, selbst in den entlegensten Gegenden hat. Und wir skizzierten ein Bild von einem eventuell einmal möglichen Fanclubtreffen in der Antarktis. Das war ein schöner Spaß. Inzwischen unterhielten sich die anderen Gäste an den Nebentischen auch schon über Alphaville. Wir hatten wohl doch für Aufsehen erregt. Wir fanden das klasse. Trotzdem gelang es uns nicht, die Zeit anzuhalten, um nicht Auf Wiedersehen sagen zu müssen. Deshalb freut auf alle auf ein nächstes Treffen, daß es bestimmt geben wird.                                                      F.A.T. Office
 

(Quelle: ICS III/1997)