Griechischer Wein an einem verrechneten Abend
F.A.T.-Office Offen gestanden als wir uns Freitag Nachmittag auf den Weg nach Berlin ins Jugendgästehaus machten, hatten wir gar keine rechte Lust dazu. Das lag zum einen sicher daran, daß im Vorfeld die Rate derjenigen, die ihre Teilnahme doch noch abgesagt hatten, ziemlich hoch war. Zum anderen hätten wir es auch einfach genossen, das Wochenende faul zu Hause zu verbringen. Aber oft ist es so, daß es besonders schön wird, wenn man eigentlich gar keine Lust dazu hat. Und das sollte sich auch bei unserem zweiten Fanclubtreffen bestätigen.
Wir kamen gut beim Jugendgästehaus an, fanden auch bald einen Parkplatz (sogar direkt vor der Haustür), bezogen unser Quartier in der 4 Etage (für unser vieles Gepäck: Kofferfernseher, CD Player, Videorecorder und eine Kiste Knabbereien stellte man sogar extra den Fahrstuhl an. Ein Glück, denn die Treppen hatten es ganz schön in sich). Nun ja, das Zimmer war nicht gerade luxuriös. Dafür war es praktisch. Schließlich waren wir nicht in einem Hotel und normalerweise verbringt man nur die Nacht im JGH und da hat man bekanntlich die Augen zu.
Rosie hatte uns an der Rezeption eine Nachricht hinterlassen, daß sie aufgrund eines Staus erst später ankommt. Wir dachten uns, suchen wir etwas Eßbares! Da wir nahe am Stadtzentrum waren, war das auch gar nicht weiter schwer. Nur eine Straße weiter konnte man zwischen griechisch, japanisch, chinesisch und italienisch wählen. Wir entscheiden uns für italienisch. 
Ankunft am Freitag Abend
Rosie: Freitag, 11. September - einer dieser besonderen Tage, an denen ich mich an einen Zeitplan halten möchte: 8.00 Uhr aufstehen, 10.00 Uhr losfahren .. Ja, das müßte streßfrei zu schaffen sein. Schließlich sind die Getränke für das Fanclubtreffen schon im Kofferraum verstaut und meine Taschen stehen fertig gepackt in der Diele. Alles wunderbar organisiert. Ich bin stolz auf mich! J 
Zur geplanten Abfahrtszeit ... wache ich auf. Der Wecker hat mich ausgerechnet heute im Stich gelassen und der Blick aus dem Fenster verheißt auch nichts Gutes: Es gießt in Strömen. Kurz nach 12.00 Uhr fahre ich Jürgen (meinen Mann) in die Arbeit. Als er sich mit seinem typischen schiefen Grinsen von mir verabschiedet ("Viel Spaß! Paß gut auf Dich auf und ... laß dich nicht von fremden Männern ansprechen" J ) tut´s mir direkt leid, ihn über´s Wochenende allein zu lassen. 15 Minuten später hefte ich mich beim Autobahnkreuz Regensburg an die Rücklichter des voranfahrenden/- kriechenden Autos, lege eine Kassette ein und jetzt jubelt es in mir: Berlin, ich komme! Nach zwei Stunden Fahrt (und einer Flasche Mineralwasser) muß ich dringendst auf die Toilette, aber - ich stehe im (ersten) Stau. Marian Gold singt gerade "What is Love?", aber diese Frage interessiert mich im Moment nicht im Geringsten. Nach endlosen drei Kilometern erreiche ich gerade noch rechtzeitig eine Raststätte... Ich nehme mir fest vor, erst in Berlin wieder etwas zu trinken. Nur noch schnell eine Bockwurst verdrückt und dann ordne ich mich in eine der drei Autoschlangen ein, die sich vom Rastplatz zurück auf die Autobahn quälen. Irgendwann befinde ich mich auch wieder auf der A9. Wenigstens hat es aufgehört zu regnen! Als ich die Ursache des Staus - eine von x Baustellen - passiert habe und einer flotten Weiterfahrt nichts mehr im Weg stünde, verdunkelt sich der Himmel und schon prasselt wieder ein Platzregen, der eine "angemessene Fahrweise" verlangt, gegen die Scheiben. Marian´s Stimme klingt heute irgendwie höhnisch ... "I´m moving..." Schön wär´s! Nach fast 8 Stunden komme ich endlich in Berlin an. Das JGH ist dank Ilwa´s und Uwe´s Beschreibung leicht zu finden. Ich verfahre mich nicht ein einziges Mal und parke schließlich direkt vor dem Eingang. Und wieder bin ich stolz auf mich! J 
Der "Herbergsvater" verlangt meinen Personalausweis und die Unterschrift unter eine Erklärung, daß ich unter 27 Jahre alt bin. Jetzt heißt es cool bleiben, nett lächeln und schwungvoll unterzeichnen. You want it? - You get it! (Später stellte sich heraus, daß es gar nicht nötig gewesen wäre, ein "Pokerface" aufzusetzen. Tatsächlich gibt´s nämlich keine Altersbegrenzung)
F.A.T.-Office Als wir eine Stunde später wieder im JGH waren, war Rosie auch eingetroffen. Wir hatten noch eine gute Stunde Zeit bevor wir Herve vom Flughafen abholen mußten. Da sie auch Hunger hatte, führten wir sie in diese Seitenstraße. 
Rosie: IIlwa und Uwe kommen gerade vom Essen, aber mir zuliebe gehen sie noch einmal mit zum Italiener. Ganz und gar UNitalienisch bestelle ich mir ein Weizen zur Pizza. Mir geht´s ja so gut!
F.A.T.-Office Es war ganz witzig, sie entschied sich auch für italienisch. Als der Kellner uns erneut die Speisekarte anbot, meinten wir nur, daß wir ja gerade gegessen hatten. Daraufhin grinst er und meinte "Gott sei Dank!". 
Rosie: Während ich mich später noch mal frisch mache, holen Ilwa und Uwe einen französischen Fan vom Flughafen ab. Hervé kommt extra aus Orleans und hofft (verständlicherweise) auf AV-Präsenz beim Treffen. Armer Hervé! Hoffentlich erscheint es Dir lohnenswert "nur" Fans zu treffen! 
F.A.T.-Office Auf dem Flughafen ging es ziemlich chaotisch zu. Alle Maschinen aus Paris hatten an diesem Tag grundsätzlich Verspätung. Wir konnten beinahe froh darüber sein, denn die Maschine landete auf dem am verstecktesten gelegenen Flugsteig. So lernten wir ungewollt zu Fuß den ganzen Tegeler Flughafen kennen. Am Ende fanden wir aber zur rechten Zeit den rechten Flugsteig. Und wir erkannten uns auch, denn leider hatten wir unser tolles Willkommens- Schild mit Herves Namen, welches wir so mühevoll gebastelt hatten, im JGH vergessen und wir hatten uns noch nie zuvor gesehen.
Rosie: Zu viert sitzen wir noch in Ilwa´s und Uwe´s Zimmer und quatschen in einem bunten Sprachenmix miteinander. Ich zeige stolz die Bowie- Raritäten, die ich mitgebracht habe, um sie Marian durch Ilwa und Uwe zukommen zu lassen. Erst nach Mitternacht sagen wir uns "Gute Nacht" - voller Erwartung auf den nächsten Tag.
F.A.T.-Office Bevor wir uns Schlafen legten, unterhielten wir uns noch sehr ausgiebig und probierten die Getränke, die Rosie besorgt hatte. An dieser Stelle wollen wir Ihr auf jeden Fall noch einmal danken für ihre Unterstützung und Engagement. Sie hat uns wirklich sehr viel Arbeit abgenommen.
Rosie: Samstag, 12. September: Ilwa hätte mich nicht wecken brauchen, denn in diesem Haus kann man nicht verschlafen. Schon morgens um 6 Uhr knallen Türen, kreischende Teenager erinnern mich an daheim J und direkt vor meiner Zimmertüre diskutieren Mitglieder einer Trachtengruppe, welche Plätze Berlins es wert sind, zusammen mit ihnen (und ihrer "Holdrio-Verkleidung") fotografiert zu werden. 
Berlin im Regen
F.A.T.-Office  Um noch etwas vom Frühstück abzubekommen, mußten wir um halb 9 im Speisesaal sein, d.h. es war eine verhältnismäßig kurze Nacht (nicht zu vergessen die Kirchturmuhr, die alle Viertelstunde läutete). Was noch viel schlimmer war...es regnete! Nun ja, Herve war zum ersten Mal in Berlin und hatte für den Aufenthalt von zwei Tagen knappe 700 DM ausgegeben, so daß wir seine Bitte, die Denkmäler und Sehenswürdigkeiten von Berlin zu sehen, nicht abschlagen konnten. Als wir gerade das JGH verlassen wollte, sprach uns ein junger Mann an. Er hatte unsere Unterhaltung über Alphaville mitbekommen. Es stellte sich heraus, daß er Ralf hieß und vom Fanclub "Voice of The dolphins" kam. Er war extra zu unserem Treffen angereist. Da doch einige Fans ihre Teilnahme vorher abgesagt hatten, brachte er uns mit seinem unangemeldeten Erscheinen auch nicht weiter in Schwierigkeiten. Zu fünft gingen wir dann in Richtung Kudamm. Aufgrund des Regens war es sehr schwierig, sich die Stadt anzusehen. Irgendwann sahen wir einen Bus, der eine Stadtrundfahrt anbot. Die Idee gefiel uns, doch war uns diese zu teuer. Nach und nach fanden wir andere Busse und dabei war auch ein Angebot, welches uns zusagte. Da wir aber bis zur Abfahrt noch mehr als eine halbe Stunde Zeit hatten, wollten wir vorher noch ins Europacenter gehen. Hätten wir geahnt, daß der Bus uns vor der Nase wegfährt, weil er schon voll besetzt war, wären wir sicherlich nicht noch einmal fortgegangen. Okay, so blieb uns nichts weiter übrig, als weiter durch den Regen zu laufen. Wir zeigten Herve die Gedächtniskirche und kehrten dann erstmal auf einen Kaffee bei Mc Donalds ein. War das Zufall oder was? Da lief doch tatsächlich "Forever Young" im Radio! Nebenan war City Music. Da Herve gerne alte Alphaville CDs gekauft hätte, versuchten wir unser Glück. Zwar waren wir in punkto CDs nicht erfolgreich, Glück hatten wir dennoch. -.

Die Überraschung
Unser Handy klingelte und Monika verkündete uns, daß sie am Abend mit uns allen in ein griechisches Restaurant gehen wird und Alphaville werden die Rechnung bezahlen. Mit dieser unwahrscheinlich netten Geste, wollten sich Alphaville bei uns entschuldigen, denn mit ihrem Plan von einer Record Release Party zur ANTHOLOGY kurz nach unserer Party, hatten sie das Gefühl uns die Show zu stehlen und uns in ein ganz schönes Chaos zu versetzen. Ganz so hatten wir das zwar nicht empfunden, dennoch fanden wir die Idee unheimlich nett und toll. Eigentlich waren wir völlig sprachlos und brachten kaum ein Dankeschön raus. Als wir davon den anderen erzählten, war die Stimmung trotz Regen gleich noch einmal so gut. 

Rosie:  Ralf, ein liebenswerter Schwabe (der darauf besteht, kein Schwabe, sondern Badener zu sein), der sich in Berlin ziemlich gut auszukennen scheint, schlägt eine Fahrt im Bus der Linie 100 vor, denn diese Linie ist die einzige, die durchs Brandenburger Tor fährt und auch noch andere Sehenswürdigkeiten ansteuert. Ilwa und Uwe wollen sich noch ein bißchen ausruhen bzw. Neuankömmlinge begrüßen. Sie fahren zurück zum JGH; also steigen am Bahnhof Zoo nur drei AV-Fans in den Bus der Linie 100. 
In der Nähe des Alexanderplatzes drängt Ralf auch schon wieder zum Aussteigen. Wir kommen zum Palast der Republik und haben große Mühe, Hervé zu erklären, was Asbest ist. Letztendlich versteht er aber doch, warum der PdR nur von außen "bewundert" werden darf. Ralf will uns unbedingt das Nikolai- Viertel zeigen und als wir - total verfroren und "durchgeweicht" über den Markt schlendern, sehe ich genau das, was ich jetzt brauche: Sonnenblumen. Ich suche mir die schönste aus und plötzlich scheint unter meinem Regenschirm die Sonne und es ist gar nicht mehr so kalt. Meine beiden Begleiter wundern sich ein wenig über mich und es hat den Anschein, als wäre ich ihnen ein bißchen peinlich, aber dann gewöhnen sie sich doch recht schnell an den "Wetterumschwung".  Auf einmal lachen uns alle Leute zu (oder aus?) und Herve läßt sich sogar noch mit Sonnenblume und Regenschirm fotografieren. Unter den Linden geraten wir eine Demonstration, aber die Demonstranten wollen nicht meine Sonne, sondern mehr  Arbeitsplätze ...
Auf der Rückfahrt amüsieren wir uns über die Ansagen des Busfahrers. Die anderen Fahrgäste amüsieren sich über mich: Ich sitze da - in einer Hand den Schirm, in der anderen die Sonnenblume -, die (Lach-) Tränen laufen mir über die Wangen und meine Wimperntusche ist nicht wasserfest...Nun bin ich Hervé und Ralf wirklich peinlich, aber sie bleiben tapfer an meiner Seite (uns kennt ja hier niemand) bis wir zurück im JGH sind.
Zaghafter Beginn im Jugendgästehaus
F.A.T. Office Gegen 17 Uhr trafen wir uns alle wieder im JGH. Wir waren gerade im Begriff unseren reservierten Clubraum zu besichtigen und Fernsehen, Video, Musik etc. in Gang zu setzen. Nach und nach trafen dann auch die ersten Gäste ein: Bernd, Sonja und Martin, Gunter, noch ein nicht angemeldeter Fan von "Voice of The dolphins",  Yvonne, Kristin, Michael, Burkhard (welcher gerade an diesem Tag aus den USA zurück kam), Ralf und Bianka. Zu Anfang war es auch schwierig, die Stimmung etwas anzuheizen. Das änderte sich aber schlagartig, als Monika uns um 20 Uhr abholte, damit wir zum Restaurant gehen konnten, denn als wir verkündeten, daß es sich um eine Einladung von AV handelte, waren alle sichtlich aus dem Häuschen. An der Rezeption hinterließen wir eine Wegbeschreibung für all diejenigen, die noch fehlten. Dann klingelte auch noch unser Handy. Es war Alessandra aus Italien. Sie schickte uns per Telefon die besten Wünsche für unsere Party. Da der italienische FC selber nicht dabei sein konnte, wollten sie uns wenigsten auf diesem Weg zeigen, daß sie an uns denken. Darüber haben wir uns auch sehr gefreut
Die Sensation Wir sitzen noch gar nicht lange beim Griechen, als ich höre, wie Monika zu Ilwa sagt: "Dreh dich doch mal um". Obwohl ich gar nicht angesprochen (aber neugierig) bin, drehe ich auch den Kopf und da steht ... Marian! Mein nächster Blick wandert zu Hervé. Er strahlt über´s ganze Gesicht. Ich freu´ mich ja auch ... 
F.A.T. Office Aber die aller größte Überraschung sollte noch folgen. Als wir so gemütlich beieinander saßen, kam plötzlich ein unerwarteter aber sehr beliebter Gast: Marian Gold!!! Damit ist eigentlich alles gesagt. Laßt uns kurz beschreiben, wie Herve reagierte, der Marian zum allerersten Mal in seinem Leben traf, heimlich gehofft hatte, daß so etwas passieren würde, doch auch wieder nicht gewagt hatte, fester darauf zu hoffen. Er hatte glänzende Augen und so einen bestimmten Gesichtsausdruck. Er griff sofort zu seinem Fotoapparat und machte an die tausend Fotos. Er konnte gar nicht wieder aufhören Marian zu fotografieren. Irgendwie war es das schönste des Abends, Herve so glücklich zu sehen. 
Rosie: "Uwe! Wenn ich jetzt die Bowie-Platten dabei hätte...!!!" Ich laufe zurück zum JGH... Yvonne J und Christine J begleiten mich... Später bekomme ich tatsächlich die Gelegenheit, Marian meine "Schätze" selbst zu überreichen und mich eine ganze Weile mit ihm zu unterhalten. Hätte ich mich nicht schon immer so gefühlt, wäre es jetzt klar: Ich bin ein Glückskind!
F.A.T. Office Die Stunden vergingen wie im Fluge. Wir bekamen ein delikates Abendessen. Jeder hatte die Gelegenheit mit Marian zu reden, was auch jeder eifrig ausnutzte. Es war einfach wunderschön. Und es trafen auch noch Claudia, Matthias und Christoph ein, auf die wir schon gewartet hatten. Um Mitternacht gingen Marian und Monika, da sie noch arbeiten mußten für ANTHOLOGY. Wir blieben noch etwas im Restaurant, bis man uns um halb 1 aufforderte das Lokal zu verlassen, da sie schließen wollten. Im Grunde war es ein schlechter Zeitpunkt. Das JGH schloß um Mitternacht seine Türen und öffnete nur zur vollen Stunde für ein paar Minuten. Wir gingen dennoch dorthin. Und wir wollen uns an dieser Stelle auch bei dem netten Personal des JGH bedanken, denn man ließ uns trotzdem ein, auch die, die dort eigentlich nicht übernachteten und wir konnten im Clubraum unsere Party fortsetzen. Bis drei Uhr morgens saßen wir so beieinander und erzählten, schauten Videos und hörten Musik. Auch dann fiel es uns noch schwer, uns zu verabschieden, aber einmal muß es ja sein. Bleibt der Ausblick auf ein nächstes Treffen. Sicherlich wird dieses Fanclubtreffen in dieser Form nicht zu wiederholen sein. Alphaville werden nicht grundsätzlich dabei sein und auch noch bezahlen. Aber darauf kommt es uns auch gar nicht an. Wir veranstalten unsere Treffen ja schließlich, um uns zu treffen und um gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen. Das ist der Sinn unserer Fanclubtreffen. Das 98er Treffen wird für immer etwas ganz besonderes bleiben und alle, die da waren, werden sich sicherlich noch lange daran erinnern.
F.A.T. Office Diese Nacht war noch kürzer. Um 9 Uhr mußten wir schon unsere Zimmer verlassen haben. Wir nutzen das gemeinsame Frühstück, um die erlebten Stunden noch etwas nachwirken zu lassen. Wir schrieben Karten an diverse Fans in aller Welt. Aber dann kam der Abschied. Jeder fuhr in eine andere Richtung, müde aber glücklich und schwelgte noch ein wenig in der Erinnerung
Abschied
Rosie: Sonntag, 13. September: Abschied... Laßt Euch alle nochmal ganz fest drücken. Tschüß Ilwa, tschüß Uwe, tschüß Ihr alle, tschüß Berlin... Ich will Euch bald wiedersehen! Zunächst verpasse ich die Auffahrt zur Autobahn und lerne so noch ein bißchen mehr von Berlin kennen. Nettes Viertel - das hab´ ich gestern nicht gesehen... Trotzdem sollte ich jetzt mal umkehren. Es geht heute erstaunlich flott: kein Stau, keine Brummis, kein Wolkenbruch. In der Nähe von Halle bestelle ich mir in einer Raststätte ein zweites Frühstück (mit "richtigem" Kaffee). Was ist das für ein Krach? - Mutter und Tochter kommen gerade aus dem Waschraum. Töchterchen schreit und stampft wie Rumpelstilzchen "Dodil!!! Will Dodil haben!!!! Mama sagt mit weicher Stimme: "Das ist doch gar kein Krokodil. Das ist bloß eine Seife oder so". Die Kleine brüllt und stampft weiter und das Rot ihrer (schönen) Haare verträgt sich überhaupt nicht mit dem Rot ihres Gesichts. Mama wechselt auch die Farbe. Jetzt sind beide knallrot: Töchterchen vor Zorn, Mama vor Scham. Meinen Gesichtsausdruck deutet die junge Mutti wahrscheinlich ganz richtig. Ich fühle  mich nämlich unverschämt gut (schließlich sind die Trotzphasen meiner Kinder und solch peinliche Situationen nur noch Erinnerung J ). Jedenfalls wirft mir die junge Frau einen bitterbösen Blick zu und ich verziehe mich mal lieber... Im Waschraum sehe ich "Dodil"! An einem Automaten eine quietschbunte Abbildung (sowas MUSS Kinder ansprechen) - grüne Kondome ("crocodile-skin"). Ich versuche, nicht zu grinsen, als ich mich wieder in der Cafeteria blicken lasse, aber Fam. Rumpelstilzchen ist gar nicht mehr da...   Ich steige auch wieder in mein Auto und freue mich jetzt richtig auf daheim, auf meine "3 Jungs"...
(Quelle: ICS IV/1998)