Quelle: www.nordwest.net

 

noch mehr Kritiken

Platzierungen

die Remixer

Kann man die Hits der 80er neu aufpeppen und damit heute einen erneuten Charteinstieg erreichen? Das ist in der letzten Zeit oft versucht worden, in den meisten Fällen hat es geklappt, in einigen eben auch nicht. Das eigentlich Interessante ist aber das Wie und weniger das Ergebnis in den Charts. Legt man einen Song einfach nahezu unverändert neu auf oder mixt man ihn so ab, dass vom Ursprung kaum noch etwas erkennbar bleibt. Geschickt ist es wohl wenn man irgendetwas dazwischen macht ...
Alphaville hat das versucht und sich das Ziel gestellt, ihre größten Erfolge im Sound des neuen Jahrtausends aufleben zu lassen. Dazu wurden die verschiedensten Experten herangezogen: Paul van Dyk, Eiffel 65, F.A.F., De-Phazz und andere. Ergebnis ist das Album "Forever Pop" mit dreizehn Remixen. Die Originalsongs sind fast durchweg klar erkennbar erhalten geblieben, das betrifft vor allem den Gesang. Hier wurde nicht, wie oft gehört, zerstückelt und irgendwie zusammengesetzt. Es stand wohl nirgendwo die Ambition etwas völlig neues zu kreieren. Und dennoch bringt jeder einzelne Mix einen eigenen Charakter zum Ausdruck, ohne dabei den ursprünlichen Song zu zerstören. Gleich das erste Stück "Forever Young" ist in einem so wunderbar leichtfüßigen Trance-Mix (von F.A.F.) wiederbelebt worden, dass man schon mitten im Strudel der Neugier auf die anderen Hits ist, die man noch so gut im Kopf hat. Mit "Sounds Like A Melody" (Paul van Dyk-Mix) geht es dann weiter, durch absolut geniale räumliche Arrangements ist und bleibt man wie schon beim Vorgänger-Track mitten drin. 
Zu "Big In Japan" gibt es gleich zwei Versionen. Zum einen von Roland Spremberg der ebenfalls den Sound durch Mid-Tempo-Breakbeats aufwertet. Die Version von Eiffel 65 bringt dagegen den Mix mit den meisten Verfremdungen, das betrifft in diesem Fall auch ganz massiv die Stimme von Marian Gold. Alphaville-Fans werden dies verzeihen, da es sich ja sozusagen um einen Bonus-Mix handelt. 
Wiederum ganz behutsam ist Georg Kaleve an seinen Jerusalem-Mix gegangen. Der Gesang bleibt unangetastet und wird lediglich durch sanfte Beats unterstützt. Jeder Track wurde von einem anderen Experten gestaltet. An dieser Stelle seien noch erwähnt: Mark Plati, der eng mit David Bowie arbeitet und F.A.F.-Mitglied Mark Stagg, der als Staggman auch für die Chemical Brothers, New Order und den Sparks mixen durfte. 
Die Befremdung, die sich normalerweise beim Hören von neu bearbeiteten Versionen bekannter Songs einstellt, verschwanden schon beim ersten Spielen der CD. Inzwischen gefallen mir die meisten Versionen so gut, dass ich wohl eher ein Problem mit den Originalen hätte. Für mich ist "Forever Pop" ein absolut gelungenes Remake bedeutender Songs einer Band, von der man erstmalig vor 19 Jahren hörte.
Kai Schmidt (http://bloom.de)